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Halle kühlen ohne Klimaanlage: Alternative zur Kompressionskälte

Gerald Katterbauer
18.02.2026
7
Min. Lesezeit

Steigende Sommertemperaturen führen in Produktions- und Industriehallen zunehmend zu thermischen Belastungen für Mitarbeitende, Maschinen und Prozesse. Klassische Klimaanlagen auf Basis von Kompressionskälte stoßen in diesem Umfeld häufig an wirtschaftliche und energetische Grenzen. Vor diesem Hintergrund gewinnen technische Lösungen an Bedeutung, mit denen sich Produktions- und Industriehallen ohne den Einsatz klassischer Kompressionskälte kühlen lassen.

KEY FACTS: HALLE KÜHLEN OHNE KLIMAANLAGE

  • Hallenkühlung ohne Klimaanlage bezeichnet Kühlkonzepte, die auf klassische Kompressionskälte verzichten und stattdessen physikalische Prinzipien wie Außenluftführung und Wasserverdunstung nutzen
  • Adiabate Kühlung nutzt Wasserverdunstung als Kühlmechanismus und kommt ohne synthetische Kältemittel aus
  • Zweistufige adiabate Systeme ermöglichen deutlich niedrigere Zulufttemperaturen als einstufige Verdunstungskühler
  • Der Energiebedarf ist erheblich geringer als bei klassischen Hallenklimaanlagen (bis zu -95 %)
  • Die Technik eignet sich besonders für große Produktions- und Logistikhallen mit hohen Wärmelasten
  • Hygienische Anforderungen, etwa nach VDI 6022, sind bei Planung und Betrieb zwingend zu berücksichtigen

WARUM KLASSISCHE HALLENKLIMAANLAGEN OFT UNGEEIGNET SIND

Industriehallen unterscheiden sich deutlich von Büro- oder Verwaltungsgebäuden. Sie sind geprägt durch große Luftvolumina, hohe interne Wärmelasten, offene Tore und einen kontinuierlichen Luftaustausch. Kompressionsbasierte Klimaanlagen müssen in diesem Umfeld sehr hohe Leistungen bereitstellen, was zu einem hohen Strombedarf und sinkender Effizienz bei steigenden Außentemperaturen führt.

Hinzu kommen steigende Anforderungen an Kältemittel, Wartungsaufwand und Investitionskosten. In vielen Anwendungen steht der Aufwand in keinem angemessenen Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen.

PHYSIKALISCHE GRUNDLAGEN: KÜHLEN OHNE KÄLTEMASCHINE

Alternativen zur klassischen Klimaanlage verzichten auf geschlossene Kältekreisläufe. Stattdessen nutzen sie physikalische Effekte der Luft- und Wärmebehandlung. Zentrale Prinzipien sind die Nutzung kühler Außenluft, der Wärmeentzug durch Wasserverdunstung sowie eine gezielte Luftführung innerhalb der Halle.

Ziel ist nicht die exakte Raumklimatisierung, sondern die wirksame Absenkung der Zuluft- und Raumtemperatur und damit der empfundenen Raumtemperatur bei deutlich geringerem Energieeinsatz.

ADIABATE KÜHLUNG ALS KÜHLPRINZIP FÜR INDUSTRIEHALLEN

Die adiabate Kühlung basiert auf dem Verdunstungseffekt von Wasser. Beim Übergang von flüssigem zu gasförmigem Zustand entzieht das Wasser der Luft Wärmeenergie. Die Luft kühlt ab, ohne dass elektrische Kompressoren oder synthetische Kältemittel erforderlich sind. Technisch wird zwischen einstufigen und zweistufigen Systemen unterschieden.

Beider einstufigen adiabaten Kühlung wird die Zuluft direkt befeuchtet. Die Technik ist vergleichsweise einfach, die erreichbare Kühlleistung jedoch begrenzt. Gleichzeitig steigt die Luftfeuchtigkeit in der Halle deutlich an.

Zweistufige Systeme kombinieren eine vorgelagerte sensible Vorkühlung mit einer nachgeschalteten Verdunstung. Dadurch lassen sich niedrigere Zulufttemperaturen erzielen, während der Feuchteeintrag reduziert wird. Dieser Ansatz erweitert den Einsatzbereich insbesondere bei hohen Außentemperaturen.

VON DER EINZELKOMPONENTE ZUR SYSTEMLÖSUNG

In der industriellen Praxis wird Hallenkühlung ohne Klimaanlage zunehmend als ganzheitliches System betrachtet. Neben der eigentlichen Kühltechnik spielen Luftführung, Volumenstromregelung und Regelstrategie eine zentrale Rolle. In der Praxis sind solche Konzepte häufig Teil integrierter Hallenkonditionierungssysteme, die zusätzlich Heizen, Lüftung, Luftreinigung und Wärmerückgewinnung umfassen.

Typische Bestandteile solcher Systeme sind Außenluftansaugung, adiabate Kühlung, zonenweise Luftverteilung und eine bedarfsgerechte Steuerung. Häufig lassen sich bestehende Lüftungsanlagen in diese Konzepte integrieren oder nachrüsten. Solche Ansätze werden heute unter Begriffen wie nachhaltige Hallenkonditionierung oder Sustainable Hall Conditioning zusammengefasst.

VORTEILE, GRENZEN UND TECHNISCHE VORAUSSETZUNGEN

Der Verzicht auf Kompressionskälte bringt klare Vorteile mit sich. Der elektrische Energiebedarf ist deutlich geringer, der Einsatz klimaschädlicher Kältemittel entfällt und die Anlagentechnik ist vergleichsweise einfach und robust. Gleichzeitig sind Grenzen zu beachten. Die Kühlleistung hängt von den Außenluftbedingungen ab und ist nicht für Anwendungen mit sehr engen Temperatur- und Feuchtetoleranzen geeignet. Eine sorgfältige Auslegung der Luftmengen und der Luftführung ist zwingend erforderlich.

Technische Voraussetzungen sind ausreichend verfügbare Außenluft, geeignete Hallengeometrien sowie die Berücksichtigung hygienischer Anforderungen, etwa gemäß VDI 6022.

INDUSTRIELLE ANWENDUNG UND PRAXISBEZUG

Hallen ohne Klimaanlage zu kühlen ist insbesondere dort sinnvoll, wo große Volumenströme erforderlich sind und / oder die thermische Entlastung im Vordergrund steht. Typische Einsatzbereiche sind Produktionshallen mit hoher Abwärme, Logistik- und Montagehallen sowie industrielle Fertigungsumgebungen in der Metall-, Kunststoff- oder Maschinenbauindustrie.

Im Vergleich zu klassischen Klimaanlagen steht nicht die exakte Raumtemperatur im Fokus, sondern die Schaffung stabiler, arbeitsfähiger Bedingungen für Mensch und Technik.

BEDEUTUNG FÜR ENERGIEEFFIZIENZ UND NACHHALTIGKEIT

Systeme zur Hallenkühlung ohne Klimaanlage leisten einen relevanten Beitrag zur Reduktion des Strombedarfs und der indirekten Emissionen. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit von regulatorischen Vorgaben für synthetische Kältemittel, insbesondere im Zusammenhang mit F-Gasen.

Eine sachliche Einordnung ist jedoch wichtig. Adiabate und außenluftbasierte Systeme sind keine universelle Lösung, bieten jedoch in vielen industriellen Anwendungen eine technisch und energetisch sinnvolle Alternative, wenn die Rahmenbedingungen und Anforderungen der Halle entsprechend berücksichtigt werden.

FAZIT UND TECHNISCHE EINORDNUNG

Produktionshallen lassen sich unter geeigneten Rahmenbedingungen effektiv ohne klassische Klimaanlagen mit Kompressionskälte kühlen. Moderne Konzepte auf Basis von Außenluft und adiabater Kühlung ermöglichen eine deutliche Absenkung der Zulufttemperatur auch bei hohen Außentemperaturen.

Für technische Entscheider bedeutet das, dass nicht jede Halle eine Klimaanlage benötigt, wohl aber ein sauber ausgelegtes und anwendungsbezogenes Kühlkonzept.

FAQ

Was bedeutet „Halle kühlen ohne Klimaanlage“ konkret in der Industrie?

Unter „Halle kühlen ohne Klimaanlage“ versteht man industrielle Kühlkonzepte, die ohne klassische Kompressionskälte arbeiten. Stattdessen werden Außenluft, physikalische Kühlprinzipien wie adiabate Kühlung sowie eine gezielte Luftführung eingesetzt. Ziel ist nicht die exakte Raumklimatisierung, sondern die wirksame Reduktion der thermischen Belastung in Produktions- und Industriehallen bei deutlich geringerem Energieeinsatz.

Welche Temperaturen lassen sich ohne Klimaanlage realistisch erreichen?

Die erreichbaren Temperaturen hängen stark von den Außenluftbedingungen, der Systemauslegung und der Kühltechnik ab. Zweistufige adiabate Systeme können auch bei hohen Außentemperaturen deutlich kühlere Zuluft bereitstellen als einfache Verdunstungskühler. Eine pauschale Zieltemperatur ist technisch nicht sinnvoll, entscheidend ist die Differenz zur Außenluft und die thermische Entlastung im Hallenbetrieb.

Wo liegen die Grenzen der Hallenkühlung ohne Klimaanlage?

Grenzen bestehen dort, wo sehr enge Temperatur- oder Feuchtetoleranzen eingehalten werden müssen, etwa in bestimmten Reinraum- oder Präzisionsprozessen. Auch bei extrem hoher Außenluftfeuchte sinkt die Wirksamkeit adiabater Systeme. Eine sorgfältige Auslegung und realistische Zieldefinition sind daher entscheidend.

Ist adiabate Kühlung hygienisch unbedenklich?

Adiabate Kühlung ist hygienisch beherrschbar, wenn sie fachgerecht geplant, ausgeführt und betrieben wird. Zentrale Voraussetzung ist die Einhaltung relevanter Hygienerichtlinien, insbesondere der VDI 6022. Materialwahl, Wasserführung, Trocknungszyklen und Wartungskonzepte spielen dabei eine zentrale Rolle.

Für welche Hallentypen ist das Konzept besonders geeignet?

Besonders geeignet sind große Produktions-, Montage- und Logistikhallen mit hohen internen Wärmelasten und wechselnder Belegung. Auch Hallen, in denen klassische Klimaanlagen aufgrund der Hallengeometrie oder der Luftwechselrate unwirtschaftlich wären, profitieren von außenluftbasierten Kühlsystemen.

Kann man bestehende Lüftungsanlagen nachrüsten?

In vielen Fällen ja. Hallenkühlung ohne Klimaanlage wird häufig als Erweiterung oder Nachrüstung bestehender Lüftungssysteme umgesetzt. Voraussetzung ist, dass Volumenströme, Luftführung und bauliche Gegebenheiten eine sinnvolle Integration zulassen.

Ist Hallenkühlung ohne Klimaanlage energieeffizienter?

Im Vergleich zu klassischen Kompressionskälteanlagen ist der elektrische Energiebedarf in der Regel deutlich geringer (bis zu -95 %). Da keine Kompressoren eingesetzt werden, sinkt der Leistungsbedarf insbesondere bei hohen Außentemperaturen. Die tatsächliche Effizienz hängt jedoch immer von der konkreten Anwendung und Auslegung ab.

Ersetzt Hallenkühlung ohne Klimaanlage jede Klimaanlage?

Nein. Es handelt sich nicht um einen universellen Ersatz, sondern um eine anwendungsbezogene Alternative. Für den überwiegenden Großteil industrieller Anwendungen ist sie technisch sinnvoller und wirtschaftlicher, für andere bleibt die klassische Klimaanlage notwendig. Entscheidend ist die saubere Abgrenzung der Anforderungen.

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