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Schweißrauchabsaugung in der Industrie: Anforderungen, Risiken und technische Einordnung

Christian Lindner
18.02.2026
7
Min. Lesezeit

Beim Schweißen entstehen Emissionen, die zu den kritischsten lufttechnischen Belastungen in industriellen Produktionsumgebungen zählen. Schweißrauch enthält ultrafeine Partikel und gasförmige Bestandteile, die sowohl für die Gesundheit der Mitarbeitenden als auch für Anlagen, Prozesse und Brandschutz relevant sind. Eine technisch korrekt ausgelegte Schweißrauchabsaugung ist daher kein optionales Zusatzsystem, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Produktionsinfrastruktur.

KEY FACTS: SCHWEISSRAUCHABSAUGUNG

  • Schweißrauch besteht aus ultrafeinen, alveolengängigen Partikeln
  • Die Partikel entstehen direkt an der Entstehungsstelle und breiten sich rasch im Raum aus
  • Raumlüftung allein ist zur Erfassung von Schweißrauch nicht ausreichend
  • Wirksame Schweißrauchabsaugung erfordert eine quellennahe Erfassung
  • Filtertechnik, Volumenstrom und Auslegung bestimmen die Schutzwirkung
  • Arbeitnehmerschutz, Brandschutz und ATEX-Anforderungen sind zwingend zu berücksichtigen

WAS IST SCHWEISSRAUCH AUS TECHNISCHER SICHT?

Schweißrauch entsteht durch die thermische Zersetzung und Oxidation von Grundwerkstoffen, Zusatzwerkstoffen und Beschichtungen. Dabei bilden sich Partikel mit Durchmessern von oft deutlich unter 1 Mikrometer sowie gasförmige Bestandteile.

Diese Partikel:

  • sind lungengängig
  • bleiben lange in der Luft schwebend
  • lassen sich nur schwer durch Verdünnung entfernen

Die Zusammensetzung des Schweißrauchs hängt vom Verfahren, den eingesetzten Materialien und den Prozessparametern ab. Typische Bestandteile sind Metalloxide, Gase und bei bestimmten Anwendungen gesundheitsgefährdende Stoffe wie Chrom-oder Nickelverbindungen.

WARUM REINE LÜFTUNG KEINE LÖSUNG IST

Ein häufiger technischer Irrtum besteht darin, Schweißrauch über allgemeine Hallenlüftung beherrschen zu wollen. Lüftungssysteme dienen primär dem Luftaustausch und der Abführung von Wärme, nicht jedoch der gezielten Erfassung hochkonzentrierter Emissionen an der Quelle.

Aus technischer Sicht gilt:

  • Schweißrauch entsteht punktuell und hochkonzentriert
  • Verdünnung setzt erst nach der Verteilung im Raum an
  • Gesundheitsgefährdung entsteht bereits im unmittelbaren Arbeitsbereich

Eine wirksame Reduktion der Belastung ist daher nur durch quellnahe Absaugung möglich. Raumlufttechnische Systeme können Schweißrauch ergänzend verteilen oder abführen, ersetzen jedoch keine Absaugtechnik.

ANFORDERUNGEN AN EINE INDUSTRIELLE SCHWEISSRAUCHABSAUGUNG

Quellennahe Erfassung

Der entscheidende Faktor für die Wirksamkeit ist die Erfassung des Rauchs unmittelbar am Entstehungsort. Je größer der Abstand zur Quelle, desto höher müssen Volumenstrom und Energieeinsatz ausfallen.

Filtertechnik

Aufgrund der feinen Partikelgrößen sind mehrstufige Filtersysteme erforderlich. Die Filterauslegung bestimmt:

  • Abscheidegrad
  • Standzeit
  • Wartungsaufwand
  • Betriebssicherheit

Volumenstrom und Auslegung

Die erforderlichen Volumenströme hängen von:

  • Schweißverfahren
  • Arbeitsposition
  • Erfassungseinrichtung
  • Hallengeometrie

ab und müssen projektspezifisch ausgelegt werden.

Brandschutz und ATEX

Schweißrauch kann je nach Verfahren und Material brennbare oder explosionsfähige Bestandteile enthalten. Je nach Anwendung sind zusätzliche Maßnahmen zum Brand- und Explosionsschutz erforderlich. Diese müssen bereits in der Planung berücksichtigt werden.

TECHNISCHE SYSTEMVARIANTEN

In der industriellen Praxis kommen unterschiedliche Konzepte zum Einsatz, unter anderem:

  • stationäre Absaugungen an Schweißarbeitsplätzen
  • mobile Absaugeinheiten
  • zentrale Absaug- und Filtersysteme
  • integrierte Lösungen für automatisierte Schweißprozesse

Die Auswahl richtet sich nach Produktionslayout, Flexibilität, Emissionsart und Betriebsweise.

EINORDNUNG IN DIE PRODUKTIONSINFRASTRUKTUR

Schweißrauchabsaugung ist kein isoliertes System. In modernen Produktionshallen wird sie zunehmend als Teil einer ganzheitlichen Luft- undEnergietechnik betrachtet. Schnittstellen bestehen insbesondere zu: Lüftungssystemen, Hallenluftreinigung, Wärmerückgewinnung, übergeordneten Hallenkonditionierungskonzepten

Durch diese Integration lassen sich Energieverluste reduzieren und Betriebskosten langfristig senken.

BEDEUTUNG FÜR ARBEITSSCHUTZ UND NACHHALTIGKEIT

Aus Sicht des Arbeitnehmerschutzes ist Schweißrauchabsaugung unverzichtbar. Gleichzeitig beeinflusst die technische Auslegung den Energiebedarf erheblich. Eine korrekt dimensionierte quellennahe Absaugung benötigt deutlich weniger Luftmenge als nachgeschaltete Raumluftlösungen.

Damit trägt sie dazu bei:

  • die Belastung für Mitarbeitende zu minimieren
  • Filter-und Wartungsaufwand zu reduzieren
  • Energieeffizient einzusetzen

FAZIT: SCHWEISSRAUCHABSAUGUNG ALS TECHNISCHE NOTWENDIGKEIT

Schweißrauchabsaugung ist kein Komfortsystem, sondern eine grundlegende technische Maßnahme zur Sicherstellung von Arbeitsschutz, Prozessstabilität und Anlagenverfügbarkeit. Raumlüftung allein reicht zur Beherrschung der Emissionen nicht aus. Für industrielle Anwender bedeutet das, Schweißrauchabsaugung frühzeitig in die Planung der Produktionsinfrastruktur zu integrieren und als Teil eines ganzheitlichen Luft- und Energiekonzepts zu betrachten.

FAQ

Warum ist Schweißrauch besonders kritisch?

Schweißrauch enthält ultrafeine Partikel, die tief in die Lunge eindringen können und gesundheitlich relevant sind.

Reicht eine Hallenlüftung zur Entfernung von Schweißrauch aus?

Nein. Lüftung dient dem Luftaustausch, nicht der gezielten Erfassung hochkonzentrierter Emissionen an der Quelle.

Wo sollte Schweißrauch idealerweise abgesaugt werden?

Direkt an der Entstehungsstelle, um die Ausbreitung im Raum zu vermeiden und die Energieeffizienz der Anlage maßgeblich zu verbessern.

Welche Rolle spielt Filtertechnik?

Die Filtertechnik bestimmt Abscheidegrad, Standzeit, Wartungsaufwand, Energieeffizienz und Betriebssicherheit der Anlage.

Kann Schweißrauchabsaugung in bestehende Systeme integriert werden?

Ja. In vielen Fällen ist eine Integration in bestehende Lüftungs- oder Hallenkonditionierungssysteme möglich, sofern Planung und Auslegung passen.

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